Vorwort (oder: Was hat er denn jetzt nun wieder gegen Geburtstage?)
Ich habe einen Geburtstagsbrief geschrieben und erst als es zu spät war gemerkt, dass ich mich auf der ersten Seite ausführlich über Geburtstage ausgelassen habe. Genauer gesagt darüber, warum ich das Zum-Geburtstag-Gratulieren eigentlich doof finde – aber eigentlich nur, wenn es um meinen eigenen Geburtstag geht.
Das gehört streng genommen nicht in die Geburtstagspost, sondern eher in ein Tagebuch. Oder eben in einen Blog. Et voilà.
Alles Gute! Aber nicht zum Geburtstag
Ich bin kein großer Fan von (meinen) Geburtstagen – definitiv ein Top-10-Satz, mit dem man einen Geburtstagsbrief nicht beginnen sollte. Das liegt daran, dass ich es komisch finde, etwas zu feiern, das irgendwie einfach von alleine „passiert“. Klar gab es Zeiten, in denen das nicht selbstverständlich war und wir uns über jedes zusätzliche Jahr freuen mussten. Wer wusste schon, wie der nächste Winter, der nächste König oder der nächste Erreger werden würde.
Ich freue mich selbstverständlich auch, dass ich lebe – aber ich tue das nicht explizit an diesem einen Tag. Das heißt nicht, dass ich stattdessen an den anderen 364 Tagen meine Nicht-Geburtstage feiere. Für mich sind es eher bewusst oder absichtlich herbeigeführte, manchmal auch einfach bewältigte Lebensabschnitte, nach denen ich das Bedürfnis verspüre, (mich) zu feiern – und es „okay“ finde, gefeiert zu werden1. Das müssen nicht einmal große Projektabschlüsse oder Meilensteine sein.
Ich kann aber total verstehen, wenn andere das anders handhaben, und ich freue mich auch, wenn Menschen an diesem Tag an mich denken – gerne auch schriftlich. Außerdem sind Geburtstage die ultimative Erlaubnis beziehungsweise Gelegenheit, sich auch nach längerer Funkstille mal wieder bei jemandem zu melden (und anders herum genauso).
Eine Art gesellschaftlich akzeptierter Social-Check-up-Termin, bei dem die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass man nicht „Ach schön, dass du dich auch mal wieder meldest!“ zu hören bekommt. Ein Satz, den ich auch unter anderen Umständen gerne abschaffen würde. Es sei denn, er ist ernst gemeint.
Interessant finde ich allerdings, dass genau hier trotzdem oft gemeckert wird. Nämlich dann, wenn sich bestimmte Personen nur an Geburtstagen melden. Dann könne man es doch gleich lassen, heißt es. Was ich paradox finde. Denn entweder Geburtstage sind genau für solche Kontaktaufnahmen da – oder eben nicht. Beides gleichzeitig wird schwierig.
In diesem Sinne:
Alles Gute. Auch ohne Anlass.
- Leicht fällt mir auch das nicht, aber das hier soll schließlich keine Psychoanalyse werden ↩︎


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