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Wenn sich Lernen leichter anfühlt, als es ist – Ein Zettelkastenmoment

Illustration eines Zettelkastens mit Karteikarten und Glühbirne. Daneben ein Diagramm, das einen steigenden gefühlten Lernerfolg und einen davon abweichenden tatsächlichen Lernerfolg zeigt. Zwei Notizzettel tragen die Aufschriften „Leicht!“ und „Trügerisch?“. Im Zentrum steht der Begriff „Fluency“.

Ich habe beim Podcast hören einen kleinen Zettelkastenmoment gehabt! Einen Moment–dazu–habe–ich–doch–schon–mal–was–aufgeschrieben–Moemnt. Vor der Zettelkastenzeit hätte es eher geheißen „Dazu habe ich doch schon mal was gelesen.“ was es wesentlich schwerer machte das „was“ wiederzufinden, so dass ich es meist gelassen habe. Doch ich schweife ab.

Was ist passiert?

Ich habe „Psychologie für’s Klassenzimmer“ gehört.

Am Ende macht der Host (Benedikt Wisniewski) einen kurzen Exkurs in das Gebiet des „Feeling of Learning (FoL)“ aka. der subjektiv wahrgenommene Lernfortschritt.Wie wir unseren Lernfortschritt einschätzen hängt von mehreren Faktoren ab. Einer davon ist die „fluency“ also die subjektiv empfundene Leichtigkeit des Lernprozesses.

Die Autoren der Quelle, die in der Podcastfolge zitiert wird, haben sich angeschaut, inwiefern veranschaulichende Beispiele in Lernmaterialien die Fluency1 beeinflussen. Sie kommen zu dem Schluss, dass viele solcher Beispiele für eine hohe Fluency sorgen und die Lernenden ihren Lernfortschritt daher hoch einschätzen (→ subjektive Leichtigkeit wird als Lernfortschritt interpretiert)

🗃️ Jetzt kommt der Zettelkastenmoment!

In meinem digitale Zettelkasten gibt es den folgenden Zettel:

[11b⁝ Missverhältnis zwischen tatsächlichem und gefühltem Lernen (FoL) und in Vorlesungen und kollaborativen Settings]

Er basiert auf einer Studie von Deslauriers et al. (2019), in der die wahrgenommene Fluency bei der Teilnahme von Studierenden bei einer Vorlesung erhoben wurde (im Vergleich zur Kontrollgruppe die sich die Inhalte z.T. selber aneignen mussten). Die Proband*innen die einfach nur der Dozentin zugehört haben, hatten im Nachgang ein höheres FoL, schätzten ihren Lernfortschritt also höher ein. Sie schnitten aber schlechter in Tests ab. Bei der Kontrollgruppe war es genau anders herum. FoL niedrig(er), tatsächlicher Lernfortschritt hoch bzw. höher.

In beiden Studien fungiert subjektiv erlebte Leichtigkeit (Fluency) als Heuristik für Urteile über die eigene Kompetenz – nur die Quelle der Fluency unterscheidet sich.

Ich liebe diesen Moment wenn ich was höre/lese und denn merke: „Dazu habe ich doch schon was!“ und der Zettelkasten sagt: „Ja, auf Zettel 11b, bitteschön!“

Jetzt muss ich das nur noch ordentlich verzetteln.

Quellen

Alter, A. L. & Oppenheimer, D. M. (2009). Uniting the Tribes of Fluency to Form a Metacognitive Nation. Personality and Social Psychology Review, 13(3), 219–235. https://doi.org/10.1177/1088868309341564

Deslauriers, L., McCarty, L. S., Miller, K., Callaghan, K. & Kestin, G. (2019). Measuring actual learning versus feeling of learning in response to being actively engaged in the classroom. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, 116(39), 19251–19257. https://doi.org/10.1073/pnas.1821936116

  1. Im Podcast wird Fluency nicht explizit erwähnt. ↩︎

zuletzt geändert am:

2 Kommentare zu „Wenn sich Lernen leichter anfühlt, als es ist – Ein Zettelkastenmoment“

  1. Avatar von Yvonne
    Yvonne

    Danke für den Impuls. Habe direkt mal in die Studie reingehört.

    1. Avatar von Frank

      Hey Yvonne, der Podcast ist wirklich nur zu empfehlen. Es gibt sogar eine Folge mit John Hattie über das Deimplementierungsbuch. Schön, dass du da warst!

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