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Pulsmessung beim Laufen mit Polar: Handgelenk (GritX) versus Brustgurt (H10)

Polar Grit X Laufuhr und Polar H10 Herzfrequenzsensor nebeneinander auf einem Holztisch

Ich laufe eigentlich schon immer mit Polar. Mittlerweile bin ich bei meiner dritten Polar-Uhr angekommen, aktuell einer Polar Grit X. Und genauso lange gehört für mich ein Brustgurt zum Laufen dazu.

Der Grund war nie besonders kompliziert: Wenn ich schon meine Herzfrequenz aufzeichne und mein Training danach bewerte, möchte ich möglichst verlässliche Werte haben. Brustgurte gelten dafür als deutlich zuverlässiger als die optische Messung am Handgelenk, und mit dem Polar H10 benutze ich einen Brustgurt, der einen ausgesprochen guten Ruf hat.

Das Problem ist nur: Genau diese Kombination aus Polar-Uhr und Polar-Brustgurt funktioniert bei mir seit Längerem nicht zuverlässig.

Immer wieder verliert meine Grit X während eines Laufs offenbar die Verbindung zum H10. Der angezeigte Puls verschwindet dabei nicht einfach. Stattdessen beginnt die Herzfrequenz langsam und kontinuierlich abzusinken: 150, 148, 146, 143 und so weiter, bis irgendwann Werte auf der Uhr stehen, die angesichts meiner tatsächlichen Belastung völlig ausgeschlossen sind. Dort bleibt die Anzeige eine Weile, bis die Messung irgendwann wieder einsetzt und der Wert entsprechend nach oben schießt.

Das Ärgerliche daran ist die Unberechenbarkeit. Ich weiß vorher nicht, ob es passiert, wann es passiert und wie lange es dauert.

Irgendwann habe ich deshalb aufgehört, mit dem Brustgurt an der Uhr zu laufen. Lieber, so meine Überlegung, eine vielleicht etwas ungenauere, aber dafür durchgängige Messung am Handgelenk als ein grundsätzlich genauer Brustgurt, dessen Werte zwischendurch gar nicht mehr zuverlässig auf meiner Uhr ankommen.

Immerhin ist die Grit X keine billige Fitnessuhr. Sie wurde genau für solche sportlichen Anwendungen entwickelt und hat eine optische Herzfrequenzmessung eingebaut. Also dachte ich: Dann benutze ich eben die.

Nur blieb da dieses Gefühl: Irgendwie stimmen die Werte manchmal nicht.

Aber „irgendwie“ und „manchmal“ sind keine besonders guten Kategorien.

Also messe ich jetzt doppelt

Um herauszufinden, wie groß das Problem tatsächlich ist, habe ich angefangen, meine Läufe parallel aufzuzeichnen.

Die Polar Grit X sitzt dabei wie gewohnt am Handgelenk und misst dort optisch meine Herzfrequenz. Gleichzeitig trage ich meinen Polar-H10-Brustgurt. Der ist nicht mit der Uhr verbunden, sondern mit meinem Smartphone. Dort zeichnet die Polar-Flow-App denselben Lauf ein zweites Mal auf.

Nach dem Lauf habe ich dadurch zwei vollständige Aufzeichnungen derselben Trainingseinheit:

  • Polar Grit X mit optischer Herzfrequenzmessung am Handgelenk
  • Polar H10 mit Aufzeichnung über die Polar-Flow-App auf dem Smartphone

Beide Aufzeichnungen exportiere ich anschließend als CSV-Dateien. Diese enthalten die Messwerte im Zeitverlauf und lassen sich dadurch sekundengenau miteinander vergleichen. Die Dateien werte ich gemeinsam mit ChatGPT aus.

Das Ganze ist ausdrücklich keine wissenschaftliche Studie. Es gibt nur eine Versuchsperson – mich –, keine standardisierten Laborbedingungen und auch keinen Anspruch darauf, daraus allgemeine Aussagen über jede Polar Grit X oder jede Handgelenksmessung abzuleiten.

Aber es ist mehr als ein Bauchgefühl.

Ich kann damit zumindest beantworten: Wie stark unterscheiden sich die beiden Messverfahren bei meinen ganz normalen Läufen? Wann treten Unterschiede auf? Sind es nur ein paar Schläge oder massive Abweichungen? Und funktioniert die Handgelenksmessung bei gleichmäßiger Belastung anders als bei Intervallen oder schnellen Läufen?

Erste vorläufige Ergebnisse

Bisher habe ich fünf Läufe auf diese Weise doppelt aufgezeichnet.

Balkendiagramm zum Vergleich der durchschnittlichen Herzfrequenz bei fünf Läufen: Polar H10 mit Flow App gegenüber Polar Grit X mit Handgelenksmessung. Bei allen fünf Läufen misst der Brustgurt höhere Durchschnittswerte, besonders deutlich am 1. August.

Darunter waren Läufe durch den Teutoburger Wald, Läufe auf einer anderen meiner üblichen Strecken und zuletzt auch ein Intervalltraining auf der Bahn.

Schon nach diesen fünf Einheiten lässt sich eines ziemlich sicher sagen:

Die Handgelenksmessung meiner Grit X ist nicht einfach konstant ein bisschen ungenauer als der Brustgurt.

Das Problem ist vielmehr, dass ihre Zuverlässigkeit stark schwankt.

Bei einem Lauf am 22. August lagen die durchschnittlichen Herzfrequenzen mit 155 Schlägen pro Minute beim H10 und 149 bei der Grit X noch vergleichsweise nah beieinander.

Liniengrafik zum Vergleich der Herzfrequenz bei einem Dauerlauf: Polar H10 Brustgurt und Polar Grit X liegen über längere Abschnitte nah beieinander, zeigen aber auch deutliche Abweichungen.

Ganz anders sah es am 1. August aus. Dort zeichnete der H10 im Durchschnitt 169 Schläge pro Minute auf, die Grit X dagegen nur 137. Eine Differenz von 32 Schlägen im Mittel über mehr als eine Stunde.

Dabei handelte es sich nicht bloß um einzelne Ausreißer. Die Herzfrequenzkurve der Uhr sank wiederholt über längere Zeiträume auf Werte ab, die nicht zur tatsächlichen Belastung passten.

Besonders interessant wurde es beim Intervalltraining am 7. September.

Liniengrafik zum Vergleich der Herzfrequenz beim Intervalltraining: Der Polar H10 Brustgurt misst in den intensiven Belastungsphasen deutlich höhere Werte als die Polar Grit X am Handgelenk.

Über den gesamten Lauf lag der H10 im Durchschnitt bei 146, die Grit X bei 132 Schlägen pro Minute. Im eigentlichen Intervallblock wurde der Unterschied noch deutlicher: Der Brustgurt maß durchschnittlich rund 166 Schläge, die Uhr nur etwa 141.

In einzelnen Intervallen lagen die durchschnittlichen Werte mehr als 30 beziehungsweise sogar rund 40 Schläge auseinander. Zeitweise betrug der Unterschied zwischen den beiden gleichzeitig gemessenen Herzfrequenzen mehr als 50 Schläge pro Minute.

Gleichzeitig gibt es Abschnitte, in denen beide Kurven nahezu übereinanderliegen.

Und genau das finde ich bislang fast interessanter als eine dauerhaft zu niedrige Messung.

Würde meine Uhr grundsätzlich zehn Schläge zu wenig anzeigen, könnte ich mich darauf einstellen. Würde sie bei mir grundsätzlich schlecht funktionieren, wäre auch das zumindest eindeutig.

Aber das tut sie nicht.

Sie kann über längere Zeit sehr plausible Werte liefern und wenige Minuten später massiv danebenliegen. Besonders auffällig scheint das bisher bei hohen und schnell wechselnden Belastungen zu sein. Beim ruhigen Auslaufen nach meinem Intervalltraining lagen Brustgurt und Uhr beispielsweise plötzlich wieder fast identisch.

Das eigentliche Problem lautet deshalb für mich momentan nicht:

Wie viele Schläge ist die Grit X ungenau?

Sondern:

Woher soll ich während des Trainings wissen, ob der Wert, den ich gerade auf meiner Uhr sehe, stimmt?

Und warum ist das relevant?

Man könnte natürlich sagen: Dann lauf eben nach Gefühl.

Das tue ich ohnehin häufig.

Aber wenn eine Sportuhr Herzfrequenz misst, diese Werte aufzeichnet und anschließend weitere Trainingskennzahlen daraus berechnet, dann sollte die Ausgangsmessung zumindest ausreichend zuverlässig sein.

Denn ein falsch gemessener Puls bleibt nicht einfach nur ein falscher Puls.

Bei meinen Vergleichsläufen unterscheiden sich dadurch beispielsweise auch die berechneten Running-Index-Werte teilweise erheblich. Am 1. August errechnete die Flow-App auf Basis des Brustgurts einen Running Index von 54. Die Grit X kam auf 81. Am 26. August waren es 56 gegenüber 71.

Das ist logisch: Wenn die Uhr glaubt, ich laufe relativ schnell und benötige dafür gleichzeitig erstaunlich wenig Herzfrequenz, sieht meine Leistungsfähigkeit auf dem Papier plötzlich fantastisch aus.

Nur stimmt die Voraussetzung nicht.

Wie es weitergeht

Fünf Läufe sind noch keine besonders große Datenbasis. Deshalb werde ich das Experiment fortsetzen.

Dabei möchte ich bewusst unterschiedliche Bedingungen sammeln: dieselben Strecken mehrmals, andere Strecken, ruhige Läufe, zügige Dauerläufe und Intervalle.

So lässt sich hoffentlich besser erkennen, wann die Handgelenksmessung funktioniert und wann nicht.

Danach möchte ich noch zu meinem ursprünglichen Problem zurückkehren: den Verbindungsabbrüchen zwischen Polar H10 und Polar Grit X.

Denn kurioserweise habe ich angefangen, die optische Messung überhaupt erst zu benutzen, weil ich mich auf die Verbindung zwischen zwei Polar-Produkten nicht mehr verlassen konnte.

Sollte sich am Ende herausstellen, dass ich mich auch auf die Ersatzlösung am Handgelenk nicht zuverlässig verlassen kann, wäre das zumindest eine Erklärung dafür, warum mich meine Pulsdaten in den vergangenen Monaten immer wieder irritiert haben.

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